Zen Meditation

Dojo


 Wenn du die Berührung
mit der inneren Stille verlierst,
verlierst du den Kontakt mit dir selbst.
Wenn du den Kontakt mit dir selbst verlierst,
verlierst du dich in der Welt.
Eckhard Tolle

Intensives Zen-Wochenende in Südfrankreich in eigenem Zendo
in Saint-Bonnet-du-Gard (Nähe Nîmes und Avignon) vom 18. - 21. Okt. 2018, beschränkte Teilnehmerzahl. Interessierte bitte voranmelden.

 
Einfach den Weg zu sich selber finden, auf dem Weg zu sein, zu bleiben, zu sein - sein!

Sich auf diesen Weg zu machen braucht grosse innere Überwindungskraft, Ausdauer, Geduld, alles was wir eigentlich auch im Alltag praktizieren könnten und sollten. Wir finden dabei grössere Achtsamkeit und Gelassenheit, somit mehr Zufriedenheit!

 Zum Beginn der Meditation gebe ich jeweils Impulse mit verschiedenen Texten. Auch wenn dieseTexte vielleicht momentan nicht verstanden werden können, lassen wir uns nicht entmutigen, wir lassen sie einfach einwirken, das Verständnis wächst mit der Meditation - ein lebenslanger Weg zum inneren Herz.

 

 


 

 
 




Zazen 28.6.18
"Man kann das innere Licht nicht in Büchern aufbewahren, in keiner Bibliothek, nur wer seinen eigenen Geist kennt und seine Urnatur intuitiv erfasst, erfährt die Welt so wie sie ist."

Wer die eigene Urnatur intuitiv gefunden hat erkennt, dass sie niemals geschaffen wurde und niemals zerstört werden kann. Zu jeder Zeit, in jedem Augenblick existiert sie und es gibt keine Beschränkungen der Dinge, sondern nur eine Wahrheit, Täuschungen sind inexistent.
Wir Menschen befinden uns fast alle in einer Art Traumzustand, von morgens bis abends überdecken wir die Tatsachen unseres Lebens mit Gedanken und halten diese Gedanken für wahr.

Hui-neng sah, dass die Urnatur von Anfang an vollkommen ist, wer dies erfasst hat, braucht weiter nichts zu tun, es bedeutet einfach so zu sein, wie man von Natur aus ist. Wenn man alle Vorstellungen, Ansprüche und relative Gedanken die den Geist beschäftigen ausser Acht lässt, stösst man auf die Reinheit in jeder Situation. Die Menschen haben jedoch Angst, dass man sich verliert, fällt, kein Mensch mehr ist, nichts ist, sich verliert. Wir merken nicht, dass uns unsere Gedanken immer in einem Abwesenheitszustand bringen, in eine Art Scheinwelt.
Da ja auch alle anderen in dieser unwirklichen Welt leben mit allen Freuden und Leiden, bleibt uns nichts anderes als dort mitzumachen wo alle anderen sind, aber wir können mit einem tiefen Wissen und der Erkenntnis dieses jenseitigen Zustandes das eigene uns somit auch das Leben der anderen bereichern, mehr Glück, Mitgefühl und Zufriedenheit in die Welt ausstrahlen, indem wir tiefer verstehen wo und wer wir sind.


Zazen 21.6.18

"Wenn der Geist still wird, wird die Welt wahr"
oder
Wirklichkeit und Klarheit offenbaren sich.

Zen bedeutet, sich von der weltlichen, alltäglichen Zerstreuung zu lösen. Still werden, in sich gehen, sich und der reine Moment wahrnehmen, davor haben letztlich viele Menschen Angst. Man muss sich selber aushalten, es gibt keine Gedanken mehr, die uns stets von uns selber wider wegbringen. Wir halten die ganze Zeit etwas für wirklich was nur eigene Projekte und Konstrukte sind. Wir rennen am wirklichen Leben vorbei.
Unser Ego lässt uns keine Ruhe und hat uns stets im Griff.

Text von Oscar Wilde (irischer Schriftsteller)
"Leben - es gibt nichts selteneres auf dieser Welt. Die meisten Menschen existieren nur."

Wann werde ich frei von der verzerrten und gefilterten Wahrnehmung?
Wenn ich eins werde mit der Natur, wenn ich merke, dass ich selber im Einklang mit der Natur oder einer höheren Ordnung in Kontakt komme und somit authentisch bin, werde ich im Kopf, im Körper, in der Welt. Ich erkenne erst dann, was es bedeutet, Mensch zu sein und spüre, was das Leben ist.

Mit gleichgültigen Menschen über Leben und Tod zu sprechen ist letztlich nutzlos, für diejenigen, welche die Wirklichkeit erfassen können ist diese Frage wichtig, sie lassen es nicht zu, in Unwissenheit zu sterben.


Zazen 31.5.18
Hui-neng erreichte nach einer langen Wanderung das Kloster Huang-mei und erwies dem Patriarchen seine Verehrung. Der Patriarch fragte ihn: "Woher kommst du und was wünschest du?" (übliche Fragen um angeblich Schüler zu prüfen). Hui-neng sagte: "Ich bin Bürger von Hsin-chou. Ich legte diesen Weg zurück, um dem Meister die Ehre zu erweisen. Ich wünsche ein Buddha zu werden." Der Meister erwiderte: "Du stammst aus dem Süden, also gehörst du zu den Barbaren. Wie könntest du so ein Buddha werden?"
Hui-neng sagte zu ihm: "Ein Mensch kann vom Norden oder Süden kommen, doch in Bezug auf die Buddha Natur gibt es weder Norden noch Süden. Ein Barbar mag sich körperlich von einem Abt unterscheiden, doch in der Buddhaschaft gibt es keine Unterschiede."
Hui-neng hatte eine tiefe Erkenntnis erlebt und antwortete entsprechend dem Meister. Eine solch prompte Antwort erweckte seine Aufmerksamkeit auf einen aussergewöhnlichen Schüler, der den Mut aufbrachte, so zu antworten.
Der Abt forderte ihn auf, mit den Mönchen zu arbeiten. Da sagte Hui-neng: "Es ist mir eine grosse Ehre mit dem Abt zu sprechen - Weisheit wächst immer aus dem eigenen Geist. Wenn man davon nicht abweicht, findet man das Feld des Verdienstes in seiner eigenen Natur." Der Patriarch erwiderte: "Dieser Barbar ist zu dreist. Kein Wort mehr, mach dich an die Arbeit!"
Der Patriarch versammelte später seine Schüler und sagte: "Die Frage von Leben und Tod ist von grosser Wichtigkeit für jeden Menschen. Doch statt Befreiung zu suchen trachtet ihr nur danach, gute Verdienste anzusammeln. Aber solange euer Geist in Verblendung ausharrt, kann euch Verdienst nicht retten. Geht in eure Klause und erforscht eure wahre Natur. Es ist nutzlos, über die Weisheit nachzudenken. Jemand, der seine eigene Natur kennt, kann sie in jedem Moment zeigen."

Die wahre Natur und die Wirklichkeit kann man nur unmittelbar und unabgelenkt leben. Das Leben gibt es nicht auf Vorrat. Was nur zählt ist der Moment. Fast alle kennen ihn nicht.



Zazen 24.5.18
Zen bezieht sich auf den Weg zur eigenen Befreiung und der tiefen Erfahrung im täglichen Leben, im Gegensatz zur rein philosophischen oder ritualen Beschäftigung mit Buddhas Lehre oder der Betonung deren Gebote im monastischen Umfeld.
Die Grundlage unseres Geistes ist stets reine Natur, wir brauchten sie nur anzuwenden um das Leben stabiler und glücklicher zu machen. Als Hui-neng als Zen-Patriarch in jungen Jahren ein Mann an einer Strassenecke das Diamanat-Sutra rezitieren hörte, sah er mit einem Schlag alles im Licht der Wirklichkeit - nicht wie bisher im Lichte seiner eigenen phänomenalen Person. Die Erfahrung der Wirklichkeit erlebt man nicht mit Studium von Bücher oder wenn einem ein Guru in die Nase kneift.
Es kann nur geschehen, wenn der Geist in seiner natürlichen Wachsamkeit gesammelt ist. Wenn unser Geist abwesend ist, bei uns ein normaler Zustand, entgehen ihm die Möglichkeiten eines allgegenwärtigen Sein-Zustandes.
Wenn die Zeit gekommen ist, offenbart sich die Wirklichkeit unangemeldet und klar ohne weltliche Bemühungen.
Ein Mönch meditierte viele Tage und Nächte lang. Eines Morgens schwingt, wie immer um diese Zeit der Klang der Tempelglocke durch die Halle. Doch dieses Mal schien es dem Mönch, als käme der Klang vom Grund seines eigenen Geistes. Er erkannte mit einem Schlag, dass das ganze Universum präsent ist, auch in in seinem Herzen, ganz unmittelbar.

Mit unserer Übung bereiten wir uns auf diese Offenbarung vor ohne Ansprüche, Rituale.




Zazen 17.5.18

Ein Meister fragt den Schüler: "Welches Licht ermöglicht es dir zu sehen?"
Schüler: "Tagsüber ist es die Sonne und nachts eine Lampe."
Meister: " Und mit welchem Licht nimmst du diese Lichter wahr?"
Schüler: "Mit den Augen."
Meister: "Und mit welchem Licht erkennst du die Augen?"
Schüler: "Mit dem Geist."
Meister: "Und mit welchem Licht erkennst du den Geist?"
Schüler: "Mit meinem Selbst."
Meister: "Dann bist du selber das Licht allen Lichtes."

Wer ist Ich und Selbst? Zuerst steigen alle möglichen Gedanken auf, welche sich auf das eigene Individuum beziehen, wir erkennen uns im jeweiligen Gegenüber durch ein anderes Individuum oder einer Sache, das unseren Neigungen entspricht oder dagegen spricht. Wir sollten jenseits unseren Gedanken suchen in grosser Wachsamkeit. Dafür müssen wir mit unserem Geist oder Wesen im Ursprung verweilen können ohne abzuschweifen, ohne sich im eigenen Gedankenlabyrint zu verlieren.

Um uns davon zu befreien und alles so zu sehen wie es ist, muss unser Geist zur Ruhe kommen. Sobald unser Geist sich bewegt, verfallen wir in Abstraktionen, wenn wir nur schon diese Situation erkennen und lernen damit umzugehen, was die meisten Menschen nicht können, wenn wir sie in der absoluten Stille aus Distanz wahrnehmen können, kommen wir unserem Selbst schon näher.



Zazen 2.5.18

Text von Rumi (1207 - 1273) persischer Dichter und Mystiker
"Ich versuchte, ihn zu finden am Kreuz der Christen, aber er war nicht dort. Ich ging zu den Tempeln der Hindus und zu den alten Pagoden, aber ich konnte nirgendwo keine Spur von ihm finden. Ich suchte ihn in den Bergen und Tälern, aber weder in der Höhe noch ich der Tiefe sah ich mich imstande, ihn zu finden. Ich ging zur Kaaba in Mekka, aber dort war er auch nicht. Ich befragte die
Gelehrten und Philosophen, aber er war jenseits ihres Verstehens. Ich prüfte mein Herz - und dort verweilte er, als ich ihn sah. er ist nirgends sonst zu finden."

Das ihn, sie oder es oder das Göttliche, die Liebe oder die innere Natur zu finden gelingt Menschen, die den Willen aufbringen, loszulassen, ganz selbst zu werden zu lernen, dass die äussere Welt vergänglich ist, wir finden dort alles was wir zum Leben und Überleben brauchen, Freude und Leid, wir meinen so die Welt zu kennen.

Wir meinen so die Welt zu kennen, zumindest im eigenen Umfeld mit allem was ja da ist. Aber wir kennen nur die äusseren Phänomene dieser Welt, das was wir mit unseren Sinnen erfassen und verarbeiten können.

Unser eigenes, inneres Wesen, das er-sie-es, das Göttliche, finden wir nur wenn wir die äussere Welt belassen und zugleich überwinden können, es ist uns unbekannt aber trotzdem seit unserer Geburt stets in uns präsent. Dort finden wir immer wieder Kraft und Halt, Heilung.

Gemäss Rumi: "Wo Liebe erwacht, stirbt das Ich, der dunkle Despot."



Zazen 26.4.18

Ein hoher Regierungsbeamter kam zum Meister Tõzan Gohon. Er gab eine Spende und bat den Meister, alle Sutren zu rezitieren. Der Meister stieg vom Zazen-Podest herunter und verneigte sich vor dem Beamten. Der Beamte verneigte sich vor dem Meister, der den Beamten dann bewusst einmal um das Zazen-Podest herumführte und verneigte sich darauf ein zweites Mal vor ihm. Nach einer Weile fragte der Meister den Beamten: "Verstehst du?" Der Beamte überlegte und sagte: "Ich verstehe nicht."
Der grosse Meister sagte: "Du und ich haben gerade alle Sutren rezitiert. Wie könntest du dies nicht verstehen?"

Wenn man nur einen Text liest oder hört, wo bleibt da die direkte Wirkung. Damit beschäftigen wir einfach nur unseren Intellekt mit Worten und Gedanken aber der Körper und unser inneres Herz bleibt dabei unberührt. So finden wir vielleicht eine Spur von dem was die Sutren beschreiben möchten.
Um zur eigenen Mitte zu gelangen, welche letztlich auch keine Mitte ist, sondern die Ganzheit oder damit das Nichts, müssen wir wie Dogen sagt, Körper und Geist fallen lassen.
In der Einheit entschwinden alle einzelne, individuellen Eindrücke, Subjekte und Objekte, welche wir in unserem Geist festhalten wollen und uns davon nicht lösen können, so gelangen wir auch nicht jenseits der Worte und des eigenen Selbst.

Nur im tiefen Vertrauen und einer wirklichen Sicht im Moment finden wir uns selber wieder.


Zazen 8.3.18

Sehnsucht
Ein junger Jude kommt zu einem Rabbi und sagt: "Ich möchte gerne dein Schüler werden."
Der Rabbi sagte: "Da musst du mir zuerst eine Frage beantworten: Liebst du Gott?"
Der Schüler antwortete nachdenklich "Lieben? Das kann ich eigentlich nicht behaupten!"
Der Rabbi sagte freundlich: "Gut, wenn du Gott nicht liebst, hast du vielleicht Sehnsucht danach, ihn zu lieben." Der Schüler erklärte: "Manchmal spüre ich die Sehnsucht danach, aber meistens habe ich so vieles zu tun, so dass diese Sehnsucht im Alltag untergeht!"
Da überlegte der Rabbi kurz und meinte schliesslich: "Wenn du die Sehnsucht nicht so deutlich verspürst, hast du dann Sehnsucht danach, Sehnsucht zu haben?"
Da hellte sich das Gesicht des Schülers auf: "Genau das habe ich, ich sehne mich danach, diese Sehnsucht zu haben, Gott zu lieben!" Der Rabbi entgegnete ihm darauf: "Das genügt, du bist auf dem richtigen Weg!"

Im Moment sein heisst mit sich und dem gegenwärtigen Moment verbunden sein und somit mit allem was ist, auch im Alltag was schwierig aber lernbar ist. Es ist schon gut, wenn die Türe zum eigenen Selbst, zu Göttlichen, zur Quelle, zum reinen Bewusstsein usw. nur ein Spalt weit geöffnet werden kann. Wir kommen so in Kontakt zu einer intensiveren Bewusstheit, Liebe und innerer Kenntnis, wir lernen uns und die Welt kennen so wie sie wirklich ist. Der Ausdruck "Nãma Rupa" ist ein Begriff aus dem Sanskrit und bedeutet Name und Form oder eben der Alltag, wie es der Schüler erwähnt hat. Indem wir mit der Stille in Kontakt kommen, auch im grössten Lärm, lassen wir "Nãma Rupa" oder die phänomenale Welt hinter uns und erfahren die Welt bewusst und geklärt.

Abschluss:
Johannes Kepler (Deutscher Naturphilosoph, Mathematiker, Astronom, Astrologe, Theologe, 1571 - 1630)
"Wenn es gar so dunkel ist in deinem Leben, sieh doch einmal nach, ob es nicht am Ende daher kommt, dass alle deine Fensterläden zu sind.



Zazen 1.3.18


Loslassen
Wir nehmen das Wetter, die Natur so wie es eben ist, kleiden uns entsprechend und rüsten uns danach aus. Wir sind sogar froh, dass es so ist, so können wir uns wieder einmal neue Kleider kaufen und merken nicht, dass wir nur unsere Identität gemäss unseren Vorstellungen anpassen um stets ein individuelles Erscheinungsbild von unserer Person zu machen und sind so nicht wir selbst.
Unser Leben läuft in einer Peripherie um unsere innere Mitte ab. Alle ist unbeständig, an das Gute möchten wir uns halten, vom Unangenehmen möchten wir uns abwenden. Freuden und Leiden sind unsere ständige Begleiter die uns immer beschäftigen, weil wir ständig im Unterscheidungsmodus leben. Es ist nicht alles wie es ist, sondern wir wollen alles so wie wir es uns vorstellen oder erwarten. Wir leben gewissermassen unfrei und meinen wir können unser Leben selber in die Hand nehmen.
Mit unserer Übung lernen wir hinter die Gedanken, Emotionen und Geschehnisse zu schauen. Jeder Versuch, Form und Name mit dem Intellekt zu verstehen, stellt uns wieder in die alltägliche Peripherie, in die Aussenwelt oder phänomenale Welt jedes Einzelnen. Die Wirklichkeit kann nicht mit Worten oder Gedanken beschrieben werden, es bleiben so nur Hinweise darauf. Der wirkliche Moment können wir nur verstehen ohne zu verstehen.
Durch das passive Beobachten lassen wir uns in den Moment und die Unendlichkeit ein und werden fähig Hingabe zum Moment zu erleben.

Indem wir lernen anzunehmen was ist ohne zu werten entsteht Stille, wir nähern uns unserer eigenen Mitte und finden Beständigkeit und Halt. Nebst unserem Leben in Vorstellungen existiert jenseits unserer Ausssenwelt kein Wiederstand mehr, wir erleben eine grosse Verbundenheit und Liebe zu uns selber und der Welt.
Die Kraft der Gegenwärtigkeit ordnet und regelt.



Zazen 22.2.18


Geschichte aus dem Shõbõgenzo:
Zen-Meister Hô-tetsu fächelt sich Luft zu. Ein Mönch sieht ihn dabei und fragt: "Es ist das Wesen der Luft, immer da zu sein, es gibt keinen Ort, den sie nicht erreicht. Weshalb benutzt der Meister dann einen Fächer?"
Der Meister sagt: "Du hast nur verstanden, dass es das Wesen der Luft ist, immer da zu sein. Aber du kennst nicht die Wahrheit, dass es keinen Ort gibt, den sie nicht erreicht."
Der Mönch fragt: Was ist die Wahrheit, dass es keinen Ort gibt, den sie nicht erreicht?"
Der Meister fährt einfach fort sich Luft zuzufächeln.

Der Meister beantwortet die Frage nicht mit Worten wie bei Koans oder weitere Überlegungen, sondern mit dem unmittelbaren Tun im Moment, was etwas anderes ist als die Theorie des Mönchs.
Einfach unmittelbar in Kontakt kommen mit etwas jenseits von Material und Worte.

Um mit der Wirklichkeit, dem Göttlichen, dem Geist, der Weisheit, dem Heilsamen in der Welt in Kontakt zu kommen helfen uns Gedanken nicht weiter, sondern sie trennen uns stets davon. Gedanken brauchen wir zum Leben und Überleben aber sie sorgen latent dafür, dass wir im Geist abwesend bleiben vom Moment oder vom unmittelbaren Tun oder der Einheit.
Wir können unser Dasein bereichern in dem wir die Stille und damit uns selber und die wirkliche Welt so wie sie unmittelbar wirklichen ist erkennen. Wir lernen unmittelbar mit Körper und Geist präsent zu sein und finden so grosses Vertrauen in jeden Moment und in uns selber und erfahren Zufriedenheit und Klarheit. Wir können das sogar auf andere Menschen in unserem unmittelbaren Kreis übertragen und helfen, anderen zu innerer Ruhe und Klarheit. Sitzen in der Stille ist direktes unmittelbares Tun.

Das Lautlose in uns, die Stille bleibt ein Mysterium, selbst wenn alle wissenschaftliche Rätsel der Welt gelöst werden. Erst jenseits von Name und Form beginnt Erkenntnis und Stille



Zazen 15.2.18


Erling Kagge, norwegischer Abenteurer, Jurist und Verleger unternahm viele abenteuerliche Expeditionen zum Süd- und Nordpol, Mount Everest usw., um die Stille zu finden. Die Stille wird nach Erling Kagge in unserer Zeit immer wichtiger.
"Wer glaubt, kann Gott auf diese Weise finden, wer nicht glaubt kann zumindest so sich selber finden. Und wenn es mal ruhig ist, empfinden wir das als etwas Unangenehmes, ein Zustand dem wir entfliehen wollen. Wir wünschen uns mehr Ruhe und gleichzeitig fällt es uns schwer, sie zu ertragen."
Wenn wir fähig werden, inne zu halten um uns und die Welt achtsam zu beobachten, kommen wir in Kontakt mit uns selber, mit unserer Mitte, welche uns stets stützt und hält. Aber stattdessen suchen wir unseren Halt und unsere Identität in äusserlichen Objekten. Wenn diese Objekte verfallen oder das Interesse daran vergeht, suchen wir uns neue Phänomene, um uns wieder daran zu stützen. Wir meinen nur existieren zu können, wenn wir uns mit fremden Dingen oder Subjekten identifizieren.
Unsere innere Stütze lernen die meisten Menschen nie kennen. Unsere Zufriedenheit und Offenheit finden wir in jedem einzelnen Moment wo wir ganz anwesend sind mit Körper und Geist in einer Harmonie und ohne Spannungsfelder. Wir müssen nur fähig werden über unser Denken und den Verstand zu gelangen um so sich selber und die Welt unverzerrt zu beobachten und dabei inneren Frieden und Heilung zu erfahren. Unsere Gefühle erzeugen stets innere Erregungen, körperlich und geistig, Gedanken und die darauf folgenden Emotionen beschäftigen uns stetig. Wir befinden uns latent in einem Modus der Unruhe, mit er Übung der Stille lernen wir allmählich zu innerer Ruhe und zu uns selber zu kommen. Wir lernen uns und die Welt aus einer heilsamen Sicht kennen.
Jede Vorstellung, jeder Gedanke erzeugt immer wieder neue Spannungen in unserem Leben und wir lassen uns immer in neue Situationen treiben, wir sind normalerweise nicht in der Lage innezuhalten ausser im Tiefschlaf. Worte und Gedanken sind nicht die Wirklichkeit, bewirken eher Unsicherheit.




Zazen 8.2.18

Shikantaza

Willigis Jäger
"Die Übung des Augenblicks hat nichts zu tun mit Konzentration. in der Konzentration ist der Geist aktiv und schneidet aus, sie trennt. Sie gleicht einem Messer, das ein Stück herausschneidet. Konzentration braucht ein Objekt, man konzentriert sich auf etwas. Präsens im Augenblick jedoch ist eine reine Wachheit des Bewusstseins."

Alle Menschen haben eine bestimmte Haltung. Wir sind uns gewohnt unser Halt mit Gedanken und Vorstellungen stets neu zu erstellen in einer Aussenwelt. Wachheit oder Präsenz lässt sich an keinem Gedanken und keiner Vorstellung halten. Das innere Gleichgewicht ist nicht ein fixer Zustand, durch Präsenz in der Gegenwärtigkeit finden wir die richtige Ordnung, welche jeder Situation immer wieder neu entspricht.

Mit der Übungspraxis entsteht eine unbeschränkte Tragweite dessen Wirkung nicht greifbar ist und keine Vorstellung eines Ziels oder eines Gewinns fixiert. Mit einer Reduzierung auf ein Ziel wird die Verbindung zur Quelle abgetrennt, wir sind dann zwangsläufig beschränkten Vorstellungen unterworfen.

Dogen sagte:
"Wenn jemand annimmt, dass Praxis und Verwirklichung nicht eins sind, steht diese Ansicht ausserhalb des Weges. Das Praktizieren ist die sofortige, ursprüngliche Verwirklichung und dient dazu, sich von Bindungen, Neigungen, Zwang usw. zu lösen oder zumindest dessen bewusst zu werden."

Als der grosse Meister Yakusan Kodo im Zazen sass, fragte ihn ein Mönch:
"Was denken sie, wenn sie so unerschütterlich dasitzen?"
Yakusan sagte: "Ich denke Nicht-Denken (Fushiryo)."
Der Mönch fragte: "Wie denken sie Nicht-Denken?."
Yakusan antwortete: "Nicht denken" 

Das Licht der Leerheit erstrahlt von selbst ohne sich geistig zu erschöpfen. 
Der Ort des Nicht-Denkens ist unfassbar für das Nachdenken und die Empfindungen.






Zazen 1.2.18

Hermann Hesse:
"Der Vogel kämpft sich aus dem Ei. Das Ei ist die Welt.
Wer geboren werden will, muss die eine Welt zerstören."

Zumindest muss die Welt erweitert werden. Die Welt existiert in einem Bewusstsein innerhalb und ausserhalb von uns.
Eine Schale wie beim Ei hindert uns daran, im wirklichen Leben anzukommen, das Wunder des reinen Daseins um die Unmittelbarkeit zu erfahren. Wir haben die Möglichkeit, den Widerstand gegen uns selber zu überwinden.

Unser Leben in dieser Schale trennt uns von einem unteilbaren Ganzen. Die Schale ist unser Ego, das wir stets behüten und beschützen und wir können uns nicht davon befreien. In der Zen-Tradition spricht man von einer "torlosen Schranke", welche zu durchbrechen ist um zum eigenen wahren Wesen zu gelangen.
Jeder Gedanke sucht und braucht jemanden, der an ihn glaubt. Die Gedanken bestimmen, wer und was wir sind innerhalb dieser "Eierwelt". Die Wirklichkeit umfasst alles, Liebe, Freude aber auch Schmerz und Verlust. Wenn wir die Schattenseiten des Lebens ablehnen, stärken wir sie. Wir möchten uns stets mit der schönen Seite des Lebens identifizieren. Durch eine Annahme des Unabwendbaren entsteht eine tiefe Verbundenheit zum Dasein und zum eigenen vollkommenen Annehmen in jedem Moment, wir spüren die Kraft, die nur in dieser Präsenz innewohnt - dort sind wir ganz angekommen.

Tatãgata (Sanskrit) heisst der in Soheit gebliebene.
Auch Buddha war der in die Soheit Gegangene und in die Soheit Gekommene, ein Vollendeter auf dem Weg zur Wahrheit. Auch er musste sich den Weg durch die Eierschale kämpfen.

"Ein erwachter Mensch ist wie der Mond der sich im Wasser spiegelt, nicht nass wird und das Wasser dabei nicht bewegt wird."




Zazen 25.1.18


Shõbõgenzõ
Gyõji - Das Bewahren der reinen Praxis

Bodhidharma begab sich in die Stadt Kinryõ wo ihn er Kaiser eingeladen hatte um eine Belehrung zu erhalten.
Der Kaiser sagte: "Ich habe viele Klöster errichten lassen, ich liess Sutren schreiben und liess Menschen zu Priestern ausbilden. Welche Verdienste habe ich gewonnen?"
Der Meister sagte: "Nicht das geringste Verdienst."
"Weshalb keine Verdienste?" fragte der Kaiser.
Der Meister sagte: "All diese unbedeutenden Resultate der Menschen und Götter sind überflüssig. Sie sind wie Schatten, obwohl sie existieren sind sie nicht wirklich."
Da fragte der Kaiser: " Was ist wahres Verdienst?"
Der Meister erwiderte: "Die reine Weisheit, die vollkommen ist. Ein Körper, der aus sich selbst heraus leer und still ist, es ist jenseits dieser Welt."
Der Kaiser fragte: "Wer ist aber der Mensch, der vor mir steht?"
Der Meister sagte: "Ich weiss es nicht." und ist gegangen, da er feststellte, dass der Kaiser innerlich noch nicht so weit ist.

Klöster errichten, Sutren schreiben lassen usw. ist auch unser Leben. Getriebe durch unsere Gedanken, Vorstellungen, Neigungen und Erwartungen von dem was wir in unserem Leben eben machen, meinen wir daran zu wachsen und etwas zu erreichen - für wen und für was mache ich das?
Sind wir die Errungenschaften die wir erreicht haben oder sind das nur Errungenschaften die durch unsere Ich-Gedanken und Triebe entstanden und nun da sind? Wer hat das wirklich gemacht, hat nicht das ganze Umfeld auch Teil daran gehabt, dass etwas gelingt.

Die meisten Menschen kennen nur die Welt des Kaisers, aber ihre eigene innere subtile Welt werden sie nie kennen lernen.

Mit beiden Welten bewusst und achtsam umzugehen wäre schön und eben harmonisch, es gäbe weniger Leiden und Krieg bei sich und auf der Welt.





Zazen 18.1.18


"Wir selbst sind die Ursache aller unserer Hindernisse"
Meister Eckhart (1260 - 1327)

Angst bezieht sich immer auf etwas, was in der Zukunft ist. In der reinen Gegenwart ist alles so wie es ist aber der Verstand führt uns in die Zukunft was bei uns ein ständiger Begleiter ist. Nur im gegenwärtigen Moment können wir handeln aber wir können mit den Problemen des Verstandes nicht fertigwerden, da sie nur in der Zukunft liegen.
Im Zusammenhang mit dem Verstand reagiert das Ego, welches stets verletzbar ist und sich bedroht fühlt. Darüber werden Kriege geführt, scheitern Beziehungen usw.
Wenn wir mit unserem inneren Wesen das eigene Ego übersteigen können, sind wir in der Lage uns zu durchschauen, unser Selbstgefühl wurzelt dann nicht mehr im Ego sondern in einer tieferen und offenen Wahrheit. Wo ist unser Ego, warum verteidigen wir etwas, das nie existiert hat, wo ist es? Das Ego kann keine wahren Stärken zeigen, es offenbart höchstens die eigenen Schwächen.

In uns herrscht oft das Gefühl des Mangels einer Unvollkommenheit, die man dann wieder durch neue vergängliche Begebenheiten kompensiert. Solange wir uns mit Äusserlichkeiten identifizieren endet dieser Kreislauf nicht.

Eckhard Tolle:
"Das Geheimnis des Lebens ist, zu sterben bevor wir sterben - und herausfinden, dass es keinen Tod gibt."

Wir lernen mit unserer Übung, dass wir über dem Ego und der stetigen, teils schmerzhaften und nicht endenden Identifikation stehen und uns nicht davon beeinträchtigen lassen. Sobald diese zwei "Täter" (Ego, Identifikation) gestorben sind, erleben wir Heilung.
"Die Menschen sollten nicht so viel nachdenken, was sie tun sollen, sie sollen vielmehr bedenken, was sie sind."




Zazen 11.1.18


Was ist Meditation (Ramaha Maharshi)

Es ist das Verbleiben im eigenen Selbst ohne in irgendwelcher Weise von seinem wahren Wesen abzuweichen und sogar ohne das Gefühl zu haben, dass man meditiert. Man ist einfach nur da ohne sich in Etwas einzulassen.
Der Dhyana-Zustand (Meditation) wird noch durch geistige Anstrengung erreicht, im Samadhi resp. Kontemplation gibt es auch keine Anstrengung mehr, alles ist. Der Geist bleibt anstrengungslos und ist frei von Täuschungen und Verzerrungen.
"Wer sein wahres Selbst sucht, fürchtet sich vor keinem Hindernis!"
Es wird wohl einige Grundhindernisse  geben. Selbsterkenntnis lässt sich nur erlangen, wenn kein Befinden mehr besteht der oder die Handelnde zu sein.

"Obwohl ein Finanzbeamter in den Augen anderer den ganzen Tag seine Pflicht aufmerksam und verantwortlich erfüllt, tut er es ohne Anhaftung. Handeln, Tun und Erkenntnis sind keine Widersprüche."
Es geht darum sich ganz in den Moment und der Situation einzulassen und eins mit allem zu sein. Daraus entsteht Liebe und Zufriedenheit zu sich und zu allem.

Da die Handlungen des Weisen nur in den Augen der anderen aber nicht in seiner eigenen Sicht existieren, tut er in Wirklichkeit nichts, selbst wenn er immense Aufgaben erfüllt, er bleibt stets der stille Zeuge allen Tuns, das geschieht.

"Nur wer von allen latenten Neigungen (Vasanas) frei ist, ist ein Weiser. Wenn das so ist, wie können die Neigungen des Karmas ihn, der vom Handeln völlig frei ist berühren?"



Zazen 21.12.17


Texte von Angelus Silesius (1624 - 1677)  mit Ergänzung vom mir

"Die Welt ist mir zu eng, der Himmel zu klein:
Wo wird denn noch ein Raum für meine Seele sein?"

Die Seele ist wohl immateriell und raumlos. Sie ist nicht fassbar und nicht messbar. In der Stille kommen wir mit uns und unserer eigenen
Seele in Kontakt.

"Die Seel ist ein ew'ger Geist, ist über alle Zeit:
Sie lebt auch in der Welt schon der Ewigkeit."


Die Seele ist jenseits der Zeit, wir können sie uns nicht vorstellen, doch ist sie stets anwesend und offenbart sich in der Stille.

"Zwei Augen hat die Seel: Eins schauet in die Zeit, 
das andre richtet sich hin in die Ewigkeit."


Unser tiefstes und innerstes Wesen ist Gegenwart und Ewigkeit zugleich in jedem einzelnen Moment, lassen wir uns in jeden Moment ein,
dort sind wir eins mit allem.

"Wer seine Sinnen hat ins Innere gebracht, der hört,
was man nicht redt und siehet in der Nacht."


Unsere Sinne brauchen wir zum Leben, sie verhindern jedoch den Kontakt mit uns selbst.
Der unmittelbare Moment gibt mir unbegrenzten Halt in einer höheren Ordnung, jeden Moment immer wieder neu - wo ist der Moment?


Zazen 14.12.17


Uji oder die Sein-Zeit     Dogen/Shõbõgenzõ

"Weil nur dieser eine Augenblick wirklich ist, ist jeder unmittelbare Augenblick der Sein-Zeit die Ganzheit der Zeit und alles Sein der Formen und Dinge sind Augenblicke der Sein-Zeit. Alles Sein und die ganze Erde existiert nur in jedem dieser Augenblicke."
Während Vergangenheit und Zukunft vom Denken konstruiert und erdacht sind existiert unser wirkliches Sein nur im gegenwärtigen Augenblick. Gibt es in der Ganzheit des Seins und des ganzen Alls etwas das ausserhalb diese Augenblicks hier und jetzt existiert? Wer die Lehre der Sein-Zeit nicht an sich selbst erfährt und erkennt, kann die Zeit nur als etwas begreifen das vergangen ist.
Wir erfahren normalerweise nur unsere eigene, subjektive Sicht der Umstände und Ursachen, aber nicht die Wirklichkeit selbst. Jedoch ist es die Wirklichkeit und die Unmittelbarkeit die in jedem Augenblick das Sein des Menschen bestimmt. Wenn wir uns ganz diesem tiefen Sein anvertrauen, sind wir mit unserem eigenen Grund und der Welt verbunden. Das Denken hindert uns davon sich in die Sein-Zeit einzulassen, da wir nur Gedanken über die Vergangenheit und Zukunft machen können. Laut Dogen erfahren gewöhnliche Menschen die Zeit als ein Kommen und Gehen oder vorher und nachher, aber haben die Sein-Zeit nie vollkommen verstanden.
"Wenn ihr über dieses Vergehen gegenwärtiger Augenblicke sprecht und glaubt, dass die Dinge und Phänomene von der Zeit getrennt sind, dann ist das niemals die Erfahrung des Buddha-Weges."

Zur Einheit gehört nicht nur Subjekt, Objekt und Raum, sondern das absolute Sein und die unmittelbare Zeit welches eine tiefe Erfahrung ermöglicht.

Friedrich Nietzsche:
"Wir sind uns unbekannt, das hat seinen guten Grund, wir haben nie nach uns gesucht."

Finden wir den Moment, dann finden wir uns selber.



Zazen 6.12.17
Die Zeit ändert stetig, nur die Menschen bleiben in ihrem eigenen gleichen Wesen zurück und suchen nach Glück, das äusserliche führt vielfach letztlich auch zu Leiden, das innere bleibt für immer unantastbar.
Der Text bezieht sich auf Jon Kabat-Zinn, Professor und Doktor in Molekularbiologie, 1944 geb., mehrere Bücher und Vorträge an Unis und Firmen.
Wie gehen wir mit unserem Leben um? Wir nehmen normalerweise nicht wahr, wo wir uns im Augenblick wirklich befinden. Wir verlieren uns in jedem Augenblick immer wieder neu indem wir den Kontakt mit uns selbst und damit den Kontakt mit einer höheren Ordnung verfehlen, die uns unbewusst trägt. Wir verpassen die Möglichkeiten um zu wachsen und damit das Leben intuitiver zu gestalten. Indem wir lernen uns in die Stille einzulassen und so in unserer eigenen tiefen Wahrnehmung innehalten können, beginnen wir die Wirklichkeit des Augenblicks langsam zu erfassen und werden sich seiner gewahr.
"Erst dann können wir die Wahrheit eines Augenblickes unseres Lebens erfassen, von ihm lernen und unser Weg fortsetzen."
Die meiste Zeit sind wir uns der inneren körperlichen und geistigen Spannungen durch den gedanklichen Aufenthalt und dem "grübeln" in der Vergangenheit und Zukunft nicht bewusst. Gemäss Kabat-Zinn zahlen wir dadurch einen hohen Preis, dass wir den Reichtum unserer gegenwärtigen Augenblicke ignorieren und uns nie dem Spektrum unserer Möglichkeiten annähern. Unser Leben findet fast die ganze Zeit in Gedanken und eigenen Strukturen statt, welche uns die wirkliche Orientierung erschweren und uns den ungetrübten Blick auf den Grund verwehren auf dem wir stehen.
Die gute Nachricht ist, dass wie auch durch eigene Bemühungen aus dem "Samsara-Bereich" (buddh.) oder aus unserem Kreislauf austreten können, uns selber in jedem Augenblick zu finden und Kontakt zu unserem eigenen Grund, zum Göttlichen , zur reinen Natur finden und unser Leben in einer höheren Ordnung einzureihen. Regelmässige Übung bringt uns stetig weiter.



Zazen 30.11.17

    "In der Meditation begegnen wir dem göttlichen Urgrund
wir kommen der Mitte des Lebens ein Stück näher" Buddha

Das einzige das Bestand hat ist die Unbeständigkeit, wie geht das?
Die Welt und die Natur verändern sich unaufhaltsam, auch ohne menschliche Teilnahme. Alles befindet sich in einem Fluss, manchmal entsteht dadurch ein Gefühl von Verlorenheit. "Loslassen können und im Hier und Jetzt sein" hört und liest man und versteht es doch nicht. Jedoch führt unser unbewusstes, ständiges Anhaften laut Buddha zu Leiden. Wichtig ist schon sich bewusst zu sein, dass Unbeständigkeit existiert und dass wir den Zugang dazu finden.
Die Wirklichkeit ist lebendig, sie ist immer in Bewegung, konstant und zeitlos. Die totale Stille stellt sich somit erst ein, wenn absolut kein Widerstand gegen Bewegung und Wandel besteht, Offenheit für alles was steht und bewegt. Sobald wir bewerten und damit inneren Widerstand dagegen leisten bleiben wir stehen und die Lebendigkeit verschwindet. Wenn das Veränderliche in jedem Augenblick widerstandslos erfahren wird, herrscht vollkommene Stille und zugleich vollkommene Lebendigkeit, eben das was wir nicht ergreifen können, wir lernen im Sitzen die Wirklichkeit zu schauen wie sie ist und lernen uns zu öffnen zu dem was sich in diesem Moment unmittelbar bewegt. Damit lernen wir auch mit unserer mentalen, inneren Bewegungen umzugehen.
Mystische oder tiefe Erfahrungen unterliegen nicht einer willkürlichen Kontrolle, wir können nichts tun dafür, sie offenbaren sich jenseits von Raum und Zeit. Wenn wir die Unbeständigkeit zulassen können erfahren wir Freiheit.



Zazen 23.11.17

    Ramana Maharshi, 1879 - 1950 indischer Weise
"Wie das Feuer vom Rauch verschleiert wird ist das strahlende Licht des Bewusstseins durch die Ansammlung von Namen und Formen verschleiert. Wenn der Geist durch göttliche Gnade klar wird, erkennt man das Wesen der Welt, das nicht aus illusorischen Gestaltungen besteht und man kann sehen, was die Welt in Wirklichkeit ist."
Die Lehre von Ramana Maharshi bedeutet, dass wir unsere Erkenntnis der wirklichen, göttlichen Natur paradoxerweise durch unseren Verstand zugleich wieder verschleiern. Ohne einen notwendigen Verstand könnten wir wohl nicht überleben, so müssen wir eben lernen, mit uns und unserem Verstand bewusst, sogar aus einer Meta-Ebene aus umzugehen und ihn massvoll einzusetzen, jedoch wird uns das nicht in die Wiege gelegt und wir werden normalerweise auch nicht so geprägt.
Damit wir mit dem personifizierten und individuellen ICH umgehen können müssen wir dem illusorischen Ich zuerst auf den Grund kommen und merken, dass es nur etwas Flüchtiges und Unbeständiges ist an dem wir uns täglich reiben, da unsere eigene Identifikation normalerweise nur durch äusserliche Formen besteht.
Den Geist kann man nicht mit den Gedanken kontrollieren, da er aus den Gedanken entsteht. Unser Geist wird durch weitere Gedanken immer wieder ergänzt oder sogar verwirrt. Durch innere Ruhe und der Stille finden wir seine Quelle und unseren eigenen Grund, innere Stabilität, Stärke und ein Gefühl der Verbundenheit offenbaren sich. In unserem innersten Wesen finden wir Ressourcen unserer inneren Liebe und ein grundfestes Vertrauen im Moment - ICH BIN!



Zazen 16.11.17

    "Die Bambusnadel des Zazen" Shõbõgenzõ 1. Band
Die Bambusnadel "Shin" wurde im alten China in der Akupunktur verwendet. Später wurde das Schriftzeichen "Shin" für eine kurze und präzise Aussage verwendet die punktgenau den Kern einer Sache trifft und damit auch so Heilung bringt. "Zazenshin" bedeutet somit "die heilende Bambusnadel des Zazen". Nebst dem Sitzen in Vertiefung gibt es auch kurze treffende Worte zur Heilung.
Ein Mönch fragte den grossen Meister Yakusan Kõdõ: "Was denkt ihr, wenn ihr so völlig unbeweglich seid?" der Meister antwortete: "Ich denke aus dem tiefen Grund des Nicht-Denkens." Der Mönch frage nach: "Wie kann man aus dem tiefen Grund des Nicht-Denkens denken?" Der Meister sagte: "Es ist jenseits des Denkens."
Um dies zu erfahren worüber der Meister spricht, müssen wir das unbewegliche Sitzen selbst erfahren und erforschen. Gemäss dem Shõbõgenzõ begreifen viele diesen wirklichen Bereich der Unbeweglichkeit oder der Stille nicht. Jenseits des Denkens gibt es etwas Unfassbares was uns trägt und bewahrt - die Unbeweglichkeit tritt dabei selbst zu Tage. Wie ist es möglich, dass die Stille in der Unbeweglichkeit über sich selbst nachdenkt? Weil der Bereich der Unb
eweglichkeit auch im Geist jenseits aller verstandesmässigen, weltlichen Erwägungen ist. Das alltägliche Denken grenzt uns zugleich ein. Es geht also nicht darum, dass sich im Geist nichts mehr rege, gemäss Dogen wäre dies "beschränkter als die Wege der Menschen und Götter."
Dogen sagt: "Denkt daran, dass die Wahrheit zu erlernen darin besteht, sie beim Sitzen in Zazen zu erforschen - das Universum verwirklicht sich deshalb, weil der praktizierende Buddha etwas völlig anderes ist als der nach Buddhaschaft strebende Buddha".



Zazen 9.11.17

   Das Universum besteht zum grössten Teil aus dunkler Materie und dunkler Energie welches die Wissenschaft bis heute nicht erfassen kann, man findet keine Strahlung und keine elektromagnetischen Impulse, alles muss völlig anders beschaffen sein als die Welt die wir kennen. Trotzdem ist diese unbekannte Grösse der kosmische Kitt der alles zusammenhält auch bei uns.
Was hat das mit Meditation zu tun?
Ende des 14. Jh. hat ein unbekannter Autor ein bekanntes Buch "Die Wolke des Nichtwissens" verfasst. Dort entsteht die geistliche Einigung mit Gott in einem Bereich der über eine begreifende Vernunft hinaus gerät, in einer Wolke welche das diskursive Denken übersteigt. Aus dem Dunkel der "Wolke des Nichtwissens" taucht plötzlich und intuitiv Erkenntnis auf wie eine Offenbarung.
Bei Johannes von Kreuz, 1542 - 1591, christlicher Mystiker, ist die Nähe zu Gott oder die Tiefe seiner eigenen inneren Natur in einem Klosterkerker und lichtlosen Verliess gewachsen. Er erlebt die Schrecken der Leere als eine Zeit der Reinigung in einer "Dunklen Nacht der Seele".
Auf dem kontemplativen Weg dringen wir in neue und unbekannte Welten innerhalb und ausserhalb von sich selber ein was uns zuerst verunsichert, aber uns letztlich einen tiefen Halt gibt im Leben.
Nach Johannes von Kreuz: "Geheim in Zauberringen der Dunkelheit, wo mich kein Blick erkannte, wo ich nichts sah von Dingen und nichts mir Strahlen sandte als jenes Leitlicht das im Herzen brannte! Das lenkte mich, das brachte mich besser als der Tag, der grell durchblaute zum Ziel wo meiner harrte. Er, der zutiefst Vertraute - zum Ziel, wo ich nichts Scheinbares erschaute."
In der neusten Wissenschaft sowie bei Mystikern besteht ein Wissen von einem unbekannten Gefäss, das alles zusammenhält und doch nicht fassbar ist.

"Es ist gut zu wissen um ein Wissen eines Nichtwissens"



Zazen 2.11.17

   Der Wüstenmönch Antonius sagte: "Ich und du und alle Menschen, wir sind einander verbunden mit menschlicher Gesellschaft und Gemeinschaft, aber am stärksten verbindet uns ein gemeinsames tiefes Empfinden das in jedem von uns ist - was nicht gesellschaftlich sondern göttlich, einzigartig und unantastbar ist".
Im Buddhismus wäre das die Einheitserfahrung oder das "Erwachen". Diese Unantastbarkeit ist in jedem Menschen vorhanden, aber wir überdecken diese stets mit profanen und weltlichen Dingen die wir auch zum Leben brauchen aber wir distanzieren uns latent von uns selbst damit. Schon die Stille zu suchen braucht Überwindung, in der Stille zu verweilen nebst allem Lärm innerhalb und ausserhalb von uns braucht lange Übung und Liebe. Sich selber ungeschützt dem Alleinsein auszusetzen braucht Mut. Dazu braucht es mithin die Überzeugung sich einer tragenden Basis oder Seelengrund anzuvertrauen. Dieser Mut ist notwendig um sich ins eigene reine Dasein einzulassen, eine Suche danach ist nicht möglich da es unbemerkt bei jedem Menschen schon präsent ist.
Gemäss einer Geschichte von Wüstenvätern wird die Seele mit einem stehenden Wasser verglichen. Wenn die Oberfläche unruhig ist durch Wind oder Bewegung ist die Tiefe nicht zu erkennen. Auch Spiegeln kann man sich so nicht. Wenn uns Gedanken mit nachfolgenden Emotionen beschäftigen, kann unser eigener Grund nicht erkennt werden und wir bleiben an der rauen Oberfläche haften, was buddhistisch zu Leiden führt. Erst wenn das Wasser klar und ruhig ist, wird es möglich sich darin zu spiegeln und in unsere eigene Tiefe zu schauen.




Zazen 26.10.17

   Unsere moderne und hochentwickelte Welt kennt viele Möglichkeiten der Manipulierbarkeit des Lebens, was wir eben auch als Ablenkung von der eigenen inneren Leere benutzen und wohl froh darüber sind. Etwas geht in unserer intrumentalisierten Welt verloren.
Emil Cioran, rumänischer Philosoph (1911 - 1995) schrieb: "Gesegnet war die Zeit, als einsame ihre Abgründe erproben konnten, ohne als Besessene zu gelten. Sie opferten zehn, zwanzig Jahre, ein ganzes Leben einer Ahnung, einem Blitz des Absoluten zuliebe."
Auch den Wüstenmönchen ging es darum, jeglicher Selbstentfremdung entgegenzuwirken und sich möglichst ganz zu erfahren. Ein innerer Rückzug hat mit Heilung zu tun, Heil-Sein oder vollkommen Ganz-Sein. Nichts sollte die Frauen und Männer, welche sich von den weltlichen Dingen lossagen ablenken und hindern, auf das eigene innere Herz zu hören.
Innere Leere wirkt auf uns fast bedrohlich bis wir durch unaufhaltsame Übung erfahren, dass die Leere Ganzheit, Festigkeit, Erfüllung, usw. bedeutet. Leere bedeutet eigene Erfahrungstiefe als Ergänzung zu unseren theoretischen Lehrsystemen. Die Grundfrage gilt für die Wüstenfrauen und -Väter wie auch heute noch: " Wer bin ich wirklich, wo stehe ich, wenn ich mich der Stille und der äusseren Reizlosigkeit aussetze?"
Mit unserer Übung des reinen Sitzens wie "Shikantaza" begeben wir uns in eine gedankliche Wüste und zugleich in eine Reinheit und Geklärtheit um dieser Frage nachzugehen und um einen kleinen Blitz des Absoluten zu erleben.
Emil Cioran:
"Das Glück ist nicht in der Begierde, sondern in dessen Abwesenheit, genauer in der Begeisterung dessen zu finden."



Zazen 19.10.17

   Liebe und Dankbarkeit existiert nur im Moment. Im Moment zu sein bedeutet still zu sein und nicht von sich abwesend, unsere Geschichte bleibt dabei im Hintergrund. Still sein heisst nur noch da zu sein mit Körper und Geist vereint. Wir entdecken dort, dass wir nicht das sind was wir meinen zu sein, wir sind nur ein verletzliches Individuum, ein Konglomerat von Eindrücken und Vorstellungen in unserem Bewusstsein, was zu Leid uns Stress führt.
In der Stille bleibt nur Einheit und Unendlichkeit - wir sind dabei ganz offen. Wir gewinnen Abstand und betrachten so das eigene Denken mit dem Lächeln eines Buddhas, der das Spiel des Bewusstseins durchschaut und einfach in Frieden da ist mit dem was ist und was kommt. Indem wir nach einem Impuls von innen oder aussen zuerst einen Atemzug in der Stille machen, entsteht Abstand, innerer Frieden und Liebe zu dem was eben gerade passiert.
Wir lernen in unser tiefstes Wesen zu schauen, dort finden wir Frieden bevor wir impulsiv reagieren. Liebe und Frieden ist stets anwesend wir müssen uns nur nach innen öffnen, alles offenbart sich - lernen wir Vertrauen in den Moment zu haben und vieles klärt sich.




Zazen 12.10.17

   Laotse (Chinesischer Philosoph, Gründer Taoismus)
"Wessen Geist und Gemüt von der Einheit allen Seins erfüllt ist, kennt keinen Zwiespalt und Streit ist ihm fremd. Wer Demut übt und sein Leben auf das EINE ausrichtet, lebt im Einklang mit sich selbst, seinem Nächsten und allem was ist."
Der Gedanke für den Moment annehmen zu können erscheint uns einfach. Wenn wir dafür aber unsere täglichen Verstrickungen loslassen sollen wird es schon schwieriger. Jeden Moment erleben, was gerade ist ohne Bewertungen, Erwartungen und Vorstellungen öffnet uns eine neue Welt.
Total in dem Moment zu sein der gerade ist, bedeutet still zu sein und eröffnet eine Ganzheit und zugleich Einheit, unser Ego verschwindet. Wir lernen das Leben in seiner Ganzheit zu lieben und kommen so der Natürlichkeit näher. Verknüpft sein mit allem wo wir uns identifizieren steigert das Verhaftet-Sein, wir verpassen damit uns selber, unsere eigene Natur. Wenn wir von allen Zerstreuungen loslassen können stellt sich zugleich Frieden und Liebe ein, eine Unendlichkeit offenbart und öffnet sich.
Das loslassen können wir nicht wollen, wir können einfach die Hindernisse und Verstrickungen hinter uns lassen indem wir uns selber näher kommen, wenn wir letztlich noch von der Suche ablassen, bleibt nur noch der Moment als Bestimmung. Wir erleben das reine SoSein mit dem was gerade ist.
Wir erleben einen Frieden, der hinter unserer eigenen Person stets anwesend ist.
- Annehmen was gerade ist, ist in nicht einfach aber machbar!



Zazen 5.10.17

   Wenn der höchst entwickelte Roboter still wird ist er funktionsuntüchtig und wertlos, es ist ausser Betrieb.
Wenn wir ausser Betrieb sind und nicht mehr getrieben werden erleben wir innere Stille und subtile Offenbarung. Wir kommen uns und der Welt wirklich näher auf einer anderen Dimension.
Es entsteht ein neues oder zusätzliches Wissen jenseits unseres verstandesmässigen Denkens, wir erfassen die Welt so wie sie wirklich ist. So finden wir zu uns selbst, zu unserer wahren Natur und erfassen im Moment die Unmittelbarkeit. Mit der Abwesenheit des Denkens finden wir uns in einer Einheit und Liebe. Wir erleben damit unser wahres Dasein und lernen mit sich und allem in Liebe und Vertrauen umzugehen.

Die meisten Menschen kennen den Ausdruck "Im Hier und Jetzt" aber leben im "Gestern und Morgen", sie erfahren das Hier und Jetzt nie aufgrund einer latenten Getriebenheit.

Lassen wir uns in die Stille ein im Einklang der Natur - wir werden Natur - wir sind Natur.



Zazen 28.9.17

  Weisheit aus der Wüste (Wüstenväter vor ca. 1500 Jahren)

Ein Weiser sprach: "Habt ihr Gold oder Silber verloren, wird es möglich sein einen gewissen Ersatz dafür zu finden. Geht euch indessen Zeit verloren, dann bleibt sie unersetzlich."

Nur in dieser verlorenen Zeit abseits von Zerstreuung haben wir die Möglichkeit uns selber sowie der Wirklichkeit zu begegnen. Frei von Ablenkungen ist diese Zeit das wohl wertvollste was es gibt. Vor diesen Zeitabschnitten haben viele eine gewisse Angst und greifen zu einer Ablenkung. Tatsächlich kann eine verlorene Zeit uns herausfordern.
So ist auch das spirituelle leben in Abwesenheit von profanen Umständen ein Ort in dem wir uns selber, dem göttlichen und auch Dämonen begegnen. Indem wir innerlich gefestigt und zu Schauenden werden, können wir mit diesen Situationen besser umgehen.
Auch die Wüstenväter strebten nach der "Reinheit des Herzens", einem klaren, unverstellten Blick auf die Dinge wie sie sind, dem intuitiven Erfassen der eigenen inneren Realität. Ein reines Herz zu haben bedeutet eins zu werden mit allem was ist.

Abschluss:
Abba Xanthias sprach: "Ein Hund ist besser als ich, weil auch er Liebe besitzt, jedoch nicht urteilt."




Zazen 21.9.17

 Annehmen was gerade ist.
Die meisten Menschen wissen nicht, was in jedem Moment ihres unmittelbaren Seins wirklich ist, wir sind uns in der Regel nicht wirklich bewusst was in unserem eigenen Umfeld wahrhaftig ist.
Durch Achtsamkeit lernen wir wach, offen und zu unserem Beobachter werden ohne sich einzumischen, einfach die Fähigkeit zu besitzen zu schauen was wirklich ist. Äussere Stille unterstützt uns dabei unsere innere Stille im Geist zu finden und zu kultivieren. Wenn unser Kopf stets voller Konzepte und Vorstellungen ist und fast autonom angetrieben wird, ist das eine Art latenter Lärm in unserem Geist.
Wenn wir hören wollen, wenn eine Maus läuft, braucht es Stille oder Abwesenheit von Lärm. Nur wenn unser eigener Geist ruhig ist können wir wahrnehmen, wie sich in uns äusserliche in innerliche Regungen immer wieder neu aufbauen und uns beschäftigen, wie wir aber auch lernen können damit umzugehen und uns selber wahrnehmen zu können. Innere Widerstände oder Aversionen gegen Unangenehmes lösen sich auf. Wir lernen, dass die innerste Natur oder das Göttliche nicht betrogen werden können.
In der Absoluten Stille lässt sich der Kreislauf der Identifikation durchbrechen und durchschauen.

Wir lernen mit unserem eigenen Geist umzugehen - dann können wir auch mit allen anderen "Geistern" umgehen!



Zazen 7.9.17

 Wenn Dogen von "Fallenlassen von Körper und Geist" spricht, bedeutet das, dass wir nebst unserem Dasein mit Getriebenheit und latentem Ego ein Leben jenseits des dualistischen Systems ganzheitlich, unmittelbar und intuitiv erfahren können. Mit der Übung des Sitzens geht uns das Licht auf, dass wir auch Teil einer nahtlosen Ganzheit in einer anderen wahren Wirklichkeit leben auf der gleichen Welt.
"Die Wahrheit oder Wirklichkeit lässt sich nicht suchen, sie verwirklicht sich in jedem Augenblick im reinen Handeln selbst, ist in jedem Mensch immer anwesend und präsent" bei uns stets in einem unbekannten Hintergrund. Die Wahrheit ist nach Dogen unabhängig von Wünschen, Hoffnungen, Ängsten und Erwartungen. Wir sehen die Wahrheit oder Wirklichkeit nur gefiltert und verzerrt, nur durch die Raster unseres eigenen Denkens und Bewusstseins über die Wirkung unserer Sinnesorgane.
Jeder Mensch sieht die Wirklichkeit der Welt nur auf seine Weise als einzelnes Individuum und verliert sich in einer gewissen Scheinwelt.
Unser Sein in gelebter und bewusster Einheit von Körper und Geist im unmittelbaren Handeln übersteigt das begriffliche Denken und Wahrnehmen, denn dieser unmittelbare Moment kehrt nie zurück, er hat das Wesen der Zeitlosigkeit.
Dogen erkannte, dass die Wirklichkeit über alle Denkmodelle der Trennung von Subjekt und Objekt hinausgeht. Die Wahrheit ist für Dogen aber auch kein Suchen nach etwas Jenseitigem, sondern sie verwirklicht sich in jedem Augenblick im Handeln selbst. Sogar diese Erklärung ist nicht die Wirklichkeit selbst.



Zazen 24.8.17

 Rumi, persischer Dichter des Mittelalters (1207 - 1273)
"Wir sind wie eine Schale auf dem Wasser. Die Bewegung der Schale auf dem Wasser wird nicht von der Schale, sondern vom Wasser bewirkt."
oder
"Nur wenn dein Wissen von dir selber sich befreit ist ein Erkennen besser als Unwissenheit."

Wenn wir uns nur schon bewusst werden, dass wir eher getriebene als eigenständige Wesen sind ist das schon eine erste Erkenntnis. Wir können lernen zu schauen, was die Welt mit uns bewirkt, wie wir heute vielfach unbewusst getrieben werden, was Stress und Abwesenheit von uns selber auslöst.

Wir verlieren die Verbindung zu uns selbst und leben fast nicht mehr selbstbestimmt.
Wir sind heute latent in destruktive Prozesse involviert und kennen die Quelle zur Heilwerdung nicht mehr. Die Bereitschaft sich nach innen zu öffnen bedingt heute einen grossen persönlichen Einsatz und Willen. Mit einem angepassten Bewusstsein können wir unsere Lebenssituation erkennen, transformieren und Befreiung erlangen gemäss dem Pali-Kanon. Wir lernen mit der Identifikation mit dem Körper und dem Ego umzugehen. Durch das Individualprinzip wird dem Menschen der unmittelbare Zugang zum Göttlichen, zur Wirklichkeit verbaut, wir limitieren uns über unser Ego stets selbst. Unser Ego schafft immer Differenz und Polarisierung.

Buddha forderte, sich nicht diesem begrenzenden ich zu identifizieren: "Dies ist nicht mein, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst."
Suchen wir unser Selbst indem wir uns nach innen richten!


Zazen 17.8.17

 Einfach nur schauen, sich in die innere Stille einlassen ohne zu werten - nur reines sein. Dann gibt es kein Objekt und kein Subjekt mehr nur reine Natur, die Sehenden und das Gesehene sind eine Einheit und ein Ablauf innerhalb einer unbegrenzten Weite. Unser Geist und der Verstand kann das nicht erfassen da wir uns als begrenzte Wesen in der Welt aufhalten.

Mit Übung und innerer Überwindung eröffnet sich allmählich ein tieferes Verstehen, es ist kein jemand dahinter, ein Wissen ohne zu Wissen oder hinter dem Wissen. In jedem Mensch schlummert dieses Wissen, der begrenzte Verstand öffnet sich auf unerklärliche Weise, es passiert einfach ohne Bemühungen, nur reines Sein und alles lassen - alles regelt sich, alles ordnet sich mit einem grossen inneren Vertrauen.

Unser Verstand und unsere Identifikation trennen uns latent von der Gegenwärtigkeit und sorgen dafür, dass wir uns als Einzel-Individuum in einer Art Scheinwelt bewegen. Zum still sein bedarf es keiner Worte die beschreiben. Das Beobachten kann nur direkt in der Unmittelbarkeit geschehen, Beobachter und Gegenwärtigkeit sind eins. Die Bestimmung unseres Geistes will immer separieren, formen, ein Jemand sein der in Vorstellungen und Konzepten lebt.

Ein alter Zenlehrer zitierte: "Habt eine gute Übung, alles regelt sich alles ordnet sich".


Zazen 6.7.17

 "Alles ist wie durch ein heiliges Band miteinander verflochten. Nahezu nichts ist sich fremd. Alles Geschaffene ist einander beigeordnet und zielt auf die Harmonie derselben Welt. Aus allem zusammengesetzt ist eine Welt vorhanden, ein Gott, alles durchdringend, ein Körperstoff, ein Gesetz, eine Vernunft, allen vernünftigen Wesen gemein und eine Wahrheit, so wie es auch eine Vollkommenheit für all diese Verwandten derselben Vernunft teilhaftigen Wesen gibt."  Diese Kursformel für das stoische Weltbild hat der römische Kaiser Marc Aurel (121 - 180 n.Chr.) hinterlassen. Die pantheistische Sicht entspricht auch buddhistischen Ansichten der Durchdringung des Kosmos.
Ganz in unserem eigenen Urgrund existiert der ganze natürliche Kosmos und die absolute Wahrheit. Ethik und Moral sind in der Stoa wichtige Bestandteile. Wenn sich innerhalb tiefer Meditation die Erfahrung der Einheit einstellt, können wir unser Leben neu ordnen. Wir kommen uns selbst, der Wahrheit und der Welt näher. Wir können uns von Projektionen, Konzepten und Ängsten befreien oder lernen besser damit umzugehen. Mystische Erfahrungen können keiner Kontrolle unterliegen, Anstrengungen sind sogar kontraproduktiv.
Indem wir unser Ego zu Ruhe bringen findet ein fundamentaler Wechsel der Wahrnehmung statt, der zu einer tiefen Selbsterkenntnis führt.
Wir gewinnen Vertrauen in uns und in den unmittelbaren Moment, der beides zusammenführt und uns unwissentlich stets trägt. Die Übung des Sitzens hilft uns diese innere Ruhe und tiefes Vertrauen zu finden, Schritt für Schritt.

Abschluss:
Ramana Maharshi:
"Diese einzige Wirklichkeit ist frei von allen Erscheinungen und ohne Unterschiede. Sie ist Sein ohne Anfang und Ende, überall, unendlich und ewig. Sie liegt allen Formen, allen Veränderungen, allen Kräften, aller Materie und allem Geist zugrunde. Dies ist der Zustand des Seins."




Zazen 29.6.17

 Eines Tages besuchte Zen-Meister Man Gon seinen Kollegen Zen-Meister Hahn Am im Tempel "Palast der Stille". Als für Man Gon Zeit wurde aufzubrechen, gingen sie gemeinsam über eine Brücke. Man Gon hob einen Stein und warf ihn direkt vor Hahn Am wobei dieser einen Stein ins Wasser warf.
"Bei diesem Ausflug ging viel verloren" sagte Man Gong zu sich selbst.
Was ging wohl verloren. Mein Eindruck:
Beide warfen einen Stein, beides ist einfach ein Tun im Verlauf dieser Welt, dabei gibt es bei keinem Tun in Wirklichkeit einen Verdienst oder Ruhm. Alles ist grundsätzlich ein Tun ohne Absicht oder Ziel - eigentlich nichts. Dieses Nichts lässt sich in der Stille ohne weitere Assoziationen wortlos und achtsam beobachten ohne mentale Erregungen entstehen zu lassen - einfach lassen - an nichts festhalten. Dieses Nichts ist nicht leer sondern eine Dimension über unsere weltlichen, profanen Verständnis und Bewusstsein.
Im Daoismus existiert der Ausdruck "WuWei" als Nichthandeln oder ein Handeln im Einklang mit der Natur der Dinge. Gedanken und Verstand trennen uns selber von Raum, Körper und Geist was aus buddhistischer Sicht zu Verblendung führt, zu einem dualistischen Zustand der letztlich zu unseren weltlichen Leiden führt - weg vom Ursprung und vom Einklang mit dem unmittelbaren Sein.
Innere Stille ergibt Klarheit und Eins-Sein mit uns selber und mit allen Dingen. Mit dem dualistischen Intellekt entschwindet die Intuition. In der Natur des eigenen Geistes liegt die Stille.



Zazen 15.6.17

 Dogen Shobogenzo Kap. 11 "Uji" U=Sein/Existenz  Ji= Zeit
Die Sein-Zeit
Sein und Tun existieren nur im unmittelbaren Moment. Während Vergangenheit und Zukunft durch Denken konstruiert sind existiert unser Sein nur im gegenwärtigen Augenblick.
Spuren und Abhandlungen im Leben und in der Welt sind für alle Menschen so selbstverständlich, dass wir nicht daran zweifeln, aber sie auch nicht restlos begreifen. Wir schaffen mit unseren Gedanken Ordnung in der Welt und denken diese als das ganze All.
"Jeder Mensch und jedes Ding in diesem ganzen All sind je für sich allein stehende Augenblicke der Zeit" gem. Dogen. Indem wir in unserem eigenen Selbst mit dieser Sicht Ordnung bringen und mit Übung fähig werden es zu betrachten, offenbart sich die Wahrheit.
Wenn wir dann im Bereich jenseits der Sprache angekommen sind, gibt es nur noch ein Ding und nur noch eine Form - jenseits von Verstehen oder Nicht-Verstehen. Weil nur dieser Augenblick wirklich ist, sind alle Augenblicke der Sein-Zeit die Ganzheit der Zeit. Alles Sein und die ganze Erde existiert in jedem dieser Augenblicke.
Wer die Lehre der Sein-Zeit nicht an sich selbst erfährt und erkennt, kann die Zeit nur an Vergangenem begreifen.
Im Johannes-Evangelium sagte Jesus: "Ehe Abraham war, bin ich" obwohl Abraham ca. 2000 Jahre vorher lebte. Mit Dogens Ansicht lässt sich diese Aussage auf einer höheren Ebene verstehen, jeder Moment dehnt sich zugleich in das ganze zeitliche Universum aus. Jedes einzelne Individuum existiert und existiert zugleich nicht. Verstehen können wir diese Aussage nur jenseits der Worte und des Verstandes, was uns mit der Übung als grosse Bereicherung geschenkt wird.



Zazen 8.6.17

 Wer bin ich wirklich -warum bin ich?
Normalerweise versuchen wir solche existentiellen Fragen durch Nachdenken zu beantworten als einziger möglicher Weg. Wir bleiben dabei jedoch nur auf der oberflächlichen Ebene unserer eigenen Möglichkeiten.
Alle Menschen besitzen und pflegen das Ego, das unser Selbstbild immer wieder neu prägt, zugleich ist dies die Hauptblockade um tiefer zu unserem inneren Wesen zu gelangen.
Durch regelmässige Meditation und Achtsamkeit können wir unsere Blockaden erkennen und überwinden. Diese innere Heilung nimmt viel Zeit und Energie in Anspruch was die meisten Menschen davon abhält, da wir ja dabei stets etwas verpassen könnten.
Wir tragen verdrängte emotionale Wunden in sich, welche sich im Alltag immer wieder bemerkbar machen. Es braucht eine innere Reinigung damit Heilung in Gang kommt und wir immer tiefer zu unserer eigenen Mitte gelangen können.
Einschränkende Glaubenssätze, Vorstellungen und Überzeugungen müssen erkannt und losgelassen werden. Je mehr wir unsere eigene Natur erkennen desto ruhiger und intuitiver wird unser Verstand. Auch die Verdrängung negativer Gefühle hindert uns zu Selbsterkenntnis und Spiritualität zu gelangen. Selbsterkenntnis bedeutet, sich bis zum Innersten zu kennen, sich in einer höheren Ebene einzufinden, mit sich und der Welt besser und zufriedener umzugehen.
"Durch selbstloses Tun beseitigen wir das Gefühl von Getrenntheit."



Zazen 1.6.17

 Woody Allen
"Das Schwierigste im Leben ist es, Herz und Kopf dazu zu bringen, zusammenzuarbeiten. In meinem Fall verkehren sie noch nicht mal auf freundschaftlicher Basis." Es ist immerhin schon gut bis zu dieser Einstellung zu gelangen, die meisten Menschen werden nie soweit kommen.

Wenn wir uns fragen wer oder was wir sind und uns nicht nur mit der Antwort einer oberflächlichen Identifikation zufrieden geben, suchen wir einen inneren Raum der Stille und des Staunens. Dort wird das Denken zur Ruhe kommen wir nehmen so eine reale Präsenz wahr die weder Körper, Gefühl noch Gedanke ist und eine latente, andauernde Trennung wird dadurch aufgehoben. Wir erleben die Welt jenseits unseres konditionierten Denkens.
Wenn wir das innere, tiefe Wesen berühren, finden wir zu heilsamen Veränderungen, dort findet Transformation und innere Festigung statt.
Ein Problem kann nicht auf derselben Ebene gelöst werden, auf der es sich zeigt. Lösungen finden wir auf einer Ebene, die über unserem Konditionierungszustand liegt, eben transpersonal. Wir üben, damit wir uns im tiefen inneren Wesensgrund wiederfinden.
Zur Einübung dient uns der Atem. Wir lassen den Geist nur noch beim beruhigten Atem verweilen, wir nehmen nur noch den Atem wahr und bleiben dabei bis der Geist immer feiner wird, bis Gefühle unbedeutend werden und eine innere Klarheit und Wachheit entsteht.
Der Atem verschwindet nach und nach in unserer Aufmerksamkeit und wird eins mit uns, zurück bleibt nur ein reines Wachsein, das uns trägt.

Um etwas mit Weisheit zu erkennen, lassen wir es los, so bleibt unser Geist ungeteilt, klar und ruhig. Jedoch: Wir selbst müssen das tun, niemand sonst!

Ajahn Chaj:
"Lass die Welt hinter dir! Die Welt ist (einfach) so wie sie ist."



Zazen 18.5.17

 Aus dem Herzsutra (Maha Prajña Paramita Hrdaya Sutra)
"Form ist nicht verschieden von Leerheit,
Leerheit ist nicht verschieden von Form
Form ist Leerheit, Leerheit ist Form.

Alle Dharmas (weltliche Phänomene) sind ausgezeichnet durch Leerheit.
Sie entstehen nicht und vergehen nicht,
sind weder vollkommen noch unvollkommen.

Daher gibt es in der Leerheit keine Form,
keine Empfindung, keine Wahrnehmung, kein Wollen, kein Bewusstsein."

Der Weg zu dieser Erkenntnis führt über die Achtsamkeit und der Bewusstheit. Die Sinneseindrücke wir Körperempfindungen, Geräusche, Gedanken sollen trotzdem nicht als etwas Negatives abgewiesen werden sondern aktiv genutzt werden. Indem wir fähig werden die eigenen äusserlichen mentalen Eindrücke bewusst zu beobachten und so über diesen stehen, entziehen wir uns dessen Anziehungskraft indem wir sie neutralisieren und zu ihrem wahren Wesen durchdringen, wir werden fähig alles als Einheit wahrzunehmen.
Wir lernen im wahren Zen in die Natur vorzudringen, jenseits von reinen Vorstellungen.

Sie Sache selber, das was erfahren wird hat letztlich keinen Namen und ist reinen Geistes als "Prajña" der Urzustand des reinen Geistes. Indem wir mit guter Haltung sitzen, von allem ablassen können verbleiben wir im reinen Dasein - alles klärt sich.



Zazen 11.5.17

 Johannes Tauler:
"Entziehe dich der Vielfalt äusserer Werke und lass den Sturm der inneren Gedanken sich stillen und sitze und ruhe und erhebe dich über dich selber."

Im JETZT offenbart sich das eigentliche Potential des Menschen. Im JETZT sind wir mit der Urkraft und unserem Urgrund verbunden, wir erfahren dort unser eigenes inneres Geheimnis.

Geschichte:
Ein Wanderer bat einen Mönch um etwas Wasser. Der Mönch schöpfte ihm aus seiner Zisterne Wasser welches der Fremde dankbar trank. Der Wanderer fragte den Mönch: "Sag mir, warum verbringst du dein Leben in der Stille?" Der Mönch zeigte auf das aufgewühlte Wasser und sagte: "Schau auf das Wasser! Was siehst du?" Der Wanderer Schaute tief in die Zisterne und sagte er sehe nichts. Nach einer Weile haben sich die Verunreinigungen im Wasser gesetzt und der Wasserspiegel wurde ruhig, so forderte ihn der Mönch wieder auf, in den klaren Wasserspiegel zu schauen: "Jetzt sehe ich mit selbst!"
Der Mönch sagte zu ihm: "beim ersten Hinschauen war das Wasser vom Schöpfen unruhig und der Wasserspiegel verzerrte alles. Jetzt ist das Wasser ruhig und das ist die Erfahrung der Stille - man sieht und erkennt sich selbst in der eigenen inneren Stille!" In der inneren Stille finden wir zu Selbsterkenntnis.

Achtsamkeit üben heisst tiefer in die Wirklichkeit eindringen, sie ist die wachsame Erfahrung des Lebens, eine aufmerksame Teilnahme am laufenden irdischen Prozess. Von sich zu lassen heisst, nicht mehr am begrenzten und begrenzenden Ich zu haften sondern in der Offenheit für die ganze Welt und in der Wirklichkeit zu leben.

Zen Geschichte:
Ein junger Mann fragte den Zen-Meister: "Wie lange wird es dauern, bis ich Erleuchtung erlangt habe?" "Vielleicht zehn Jahre" entgegnete der Meister. "Und wenn ich mich besonders dazu anstrenge?" fragte der Schüler. "In dem Fall kann es zwanzig Jahre dauern!" erwiderte der Meister. "Ich nehme jede Anstrengung auf mich um möglichst schnell zum Ziel zu gelangen!" rief der Schüler. "Dann kann es bis zu vierzig Jahre dauern" betonte der Meister.

Mit innerer Ruhe und Gelassenheit finden wir da JETZT oder zu uns selbst, äusserer Zwang hindert uns stets auf unserem Weg. Beim Sitzen erlangen wir das innere Vertrauen und die nötige Intuition für unser Dasein.




Zazen 4.5.17

 Text aus dem Shõbõgenzõ von Meister Dõgen 1200 - 1253, Soto-Zen Schule (Zen-Buddhismus)
"Ihr dürft nie vergessen, dass die höchste Wahrheit uns seit Anbeginn niemals fehlte, da wir aber nicht fähig sind dorthin zu vorzustossen, neigen wir dazu in abstrakten Vorstellungen zu leben als ob sie wirklich wären."

Eigene Einschätzung
Wir tanzen das ganze Leben um unsere eigene Mitte herum ohne jemals mit ihr in Berührung zu kommen. Google gibt uns das trügerische Gefühl, die ganze Welt und noch mehr zu kennen ohne die Fähigkeit zu besitzen mit uns selber in Kontakt zu kommen, zu Selbsterkenntnis zu gelangen.

Weiter heisst es im
Shõbõgenzõ wenn wir uns der gleichen Sitzhaltung wie Buddha anvertrauen und die unzähligen persönlichen Dinge ablegen, gelangen wir weit über Täuschung und Erwachen, Fühlen und Denken hinaus, weltliche und sogar heilige Wege werden bedeutungslos. Mit einem Mal wandern wir gelassen jenseits aller Grenzen.

Nach Eckhart Tolle identifizieren wir uns mit "ETWAS" und daraus entstehen pausenlos Konzepte, Vorstellungen und Urteile, was uns stets eine Illusion von Getrenntheit vortäuscht. Wir vergessen dabei, dass wir jenseits der Ebene der Erscheinungen und Formen in einer tiefen Verbindung mit allem sind.

Ramana Maharshi - Advaita Meister betont, dass unser Leben hauptsächlich aus zwei Polen besteht, aus dem Bedürfnis gewünschtes zu erhalten und der Aversion oder Abneigung von Unerfreulichem. Der Wunsch nach Freude und die Angst vor Schmerz enden in einer Befangenheit, es ist schon beruhigend, wenn wir alles aus einer Sicht eines neutralen Betrachters erleben können.
 
Auch Meister Eckhart, christlicher Mystiker betont in einem Text:
"Augustinus sagt, gehe nicht nach aussen, kehre in dich selbst zurück, im Inneren des Menschen wohnt die Wahrheit."

Ich denke, dass sich jenseits von allen religiösen und philosophischen Konzepten die innere Stille offenbart, welche alles verbindet und alles klärt. Lassen wir uns in diese grundlose und endlose Stille ein, die alles zusammenhält.



Zazen 27.4.17

 Zitat von Hildegard von Bingen, 1098 - 1179, deutsche Mystikerin, Äbtissin, kath. Heilige.
"So fliegt der Mensch mit den beiden Flügeln der Vernunft, nämlich der Erkenntnis des Guten und der Erkenntnis des Bösen. Die Erkenntnis des Bösen dient dem Guten, das Gute wird durch die Erkenntnis des Bösen geschärft und geleitet, so wird der Mensch weise durch die Erkenntnis."

Wie erhalten wir Erkenntnis?
Wir nehmen die Welt in unserem Dasein nicht wahr wie sie ist, sondern im Kontext von Konzepten und Vorstellungen welche durch Erfahrungen, Wissen und Eindrücke geprägt ist. Die reine Gegenwärtigkeit oder das Jetzt, also die Wirklichkeit entgleitet uns latent, so finden wir nie zu uns selbst oder zu unserem Urgrund oder unserer innerer Heiligkeit und verpassen unser eigenes Glück.
Wir müssen uns selber mit einer grossen inneren Überwindung und Offenheit bemühen, damit sich Erkenntnis offenbaren kann. Erkenntnis führt zum Ursprung von uns selber und zu Gott, dem Urgrund oder dem Absoluten. Tägliche Differenzierung ohne Bewusstheit und Erkenntnis führt zu einem ungefestigten und unsicheren Zustand sowie inneren Unfrieden. Regelmässige Meditation bringt uns in eine tiefere Betrachtungsweise der Wirklichkeit um die Welt aus einer höheren und unbegrenzten Perspektive zu sehen und wahrzunehmen. Offenheit und von seinem Ego abzulassen heisst, nicht mehr am begrenzten Ich zu haften.

Echte Achtsamkeit ist auf nichts beschränkt, sie ist allumfassende Bewusstheit und ein tieferes Eindringen in die Unmittelbarkeit.

Hildegard von Bingen:
"Sowohl des Menschen Körper als auch seine Taten können erblickt werden. Vielmehr aber liegt inwendig in ihm, was jedoch keiner sieht und keiner kennt."


Nach meiner Fussoperation bin ich oder eben "das" hinter mir wieder einsatzfähig und freudig.


Zazen 2.2.17

 Text von Johannes Tauler:
"Für die innere Einkehr ist die Stille der Nacht ganz besonders nützlich und förderlich. Der Mensch soll sich sachte all seinen Sinnen und Sinneskräften entziehen und sich mit all seinen Kräften ganz in sich versenken und sich über alle Bilder und Formen und über alle seine Kräfte erschwingen.
Darum soll der Mensch nichts fragen oder verlangen, weder Ruhe noch Wirksamkeit."

Ruhe und Stille kann man nicht "wollen", wir können einfach nur von Allem ablassen in ein "nur reines sein", ohne Vorstellungen, Ansprüche oder Konzepte.
Unser Leben bewegt sich stets eher in einem Blitzgewitter von Eindrücken. Jeden Moment sind wir mehreren Impulsen ausgeliefert, wir wollen möglich nichts verpassen. Unser Ego hält unseren Geist stets in grosser Beschäftigung. So sind wir gewohnheitsbedingt abwesend von uns selber und somit auch von der Seele oder der Wirklichkeit gem. buddhistischer Vorstellung. Um uns selber, Gott oder der Wirklichkeit näherzukommen müssen wir lernen, den Weg in unsere eigene innere Stille zu finden. Mit Geduld, Ausdauer und Offenheit kommen wir auf diesem Weg weiter und das hilft uns dabei unser Leben im Alltag zu festigen zu ordnen und zu klären.

Ramana Maharschi:
"Ohne Nichtwissen gibt es kein Wissen und ohne Wissen kein Nichtwissen. Wenn man fragt, "wer ist es, der weiss und nicht weiss?" und das Selbst, die Quelle von beidem erkennt, ist das die wahre Erkenntnis."



Zazen 26.1.17
 Meister Eckehart
"Wer sitzt, der ist bereiter, klare Dinge hervorzuheben als wer geht oder steht. Sitzen bedeutet Ruhe, darum soll der Mensch sitzen, das ist in Demut sich niederbeugend unter alle Geschöpfe, dann kommt er in einen stillen Frieden. Den Frieden erlangt er in einem Licht, das Licht wird ihm gegeben in einer Stille darin er sitzt und wohnt".

Das Licht ist in jedem Menschen verborgen, bis wir ihm die Möglichkeit erschaffen, dass es aufleuchten kann. Unser Leben bezieht sich auf Äusserlichkeiten, welche auch lebenswert sind und unser Überleben sichern in gegenseitiger Wechselwirkung mit der Welt. Wir erfahren diesen Zustand im äusserlichen Bereich jedoch als abgeschlossen und wir meinen uns zu kennen durch die Dualität welche sich nur horizontal verbreitet.
In der inneren Stille finden wir eine neue und zusätzliche Lebenserfahrung, welche sich bis zur Unendlichkeit erweitert, das innere Licht führt uns dabei und gibt uns Halt auf diesem Weg.

Zitat von Heinrich Seuse:
"Wie selig ist der Mensch der unbewegt bleibt gegenüber der Vielheit der Dinge! Welch heimliche Versenkung erlebt er!"

In der Stille im NICHTS löst sich unser Ego auf, zugleich erwacht Ganzheitlichkeit, Achtsamkeit, das Erwachen in jedem einzelnen Moment der Wirklichkeit.



Zazen 19.1.17

Im Shõbõgenzõ von Dogen heisst es:
"Wer glaubt, Buddhaschaft nur zu erlangen indem der Mund Tausende und Abertausende Male dasselbe rezitiert, ist wie jemand, der hofft mit einem nach Norden fahrenden Wagen in das südliche Land Etsu zu kommen oder meint, dass er ein viereckiges Stück Holz in ein rundes Loch einführen kann.
Noch schwerer ist es für die Menschen sich von diesem Irrtum zu befreien wenn sie an Ruhm und Gewinn haften."
Weiter heisst es:
"Erlebt und vollendet den Sãmadhi (nondualer Bewusstheitszustand) der Buddhas durch den Weg der Praxis des Zazen, in dem sich das Selbst empfängt und sich erfährt."

Dogen sagt weiter, dass die höchste Wahrheit stets in uns allen schon anwesend ist, da wir aber in abstrakten Vorstellungen leben, welchen wir nachjagen als ob sie wirklich wären, gehen wir stets an der Wirklichkeit vorbei.

Unsere Gedanken kreisen normalerweise immer ausserhalb des eigenen Selbst, dabei verpassen wir unser eigenes Leben sowie hohe Ruhe und Ausgeglichenheit. Eine gute Sitzhaltung und Übungspraxis bringt uns in unseren eigenen Grund im Einklang mit Allem.

Finden wir den Mut und die Überwindung, uns ins NICHTS einzulassen, was die wenigsten Menschen können und finden dabei grösste Verbundenheit und Zufriedenheit als Geschenk und Offenbarung.



Zazen 12.1.17

Text von Adyashanti aus dem Buch "Tanzende Leere":
"Die Präsenz von Stille macht den Geist und den Körper weit und die Stille wird, wenn du es zulässt, von beiden erfüllt. Ein stillschweigendes, wortloses Verständnis setzt ein, nur durch die unmittelbare Erfahrung dessen was ist. Überlasse dich dem wunderbaren Geschenk und bleibe einfach nur bei dieser gedanken- und wortlosen Erfahrung.
Wer oder was ist es, das dies erfährt ohne dass sich nur ein Gedanke regt und diese eine Erfahrung macht?"

Mein Kommentar
Wir müssen erkennen lernen, dass nichts da ist das diesen Augenblick erfährt und trotzdem wird dieses Nichts in der Stille erkannt und erfasst. Etwas Geheimnisvolles ist stets in jedem Mensch schon existent was in jedem Augenblick die reine Erfahrung offenbaren würde. Wir können nicht sagen was das ist, denn wenn wir beschreiben wollen was es ist, ist es nicht mehr.

Nur schon ein Gedanke über dieses Geheimnis trennt uns vor dieser Ganzheit. Denken und Bewerten zerteilt die Einheit in Stücke, damit sie ja unser Verstand letztlich erfassen und bewerten kann. Stille eint diesen Augenblick, er ist zugleich präsent aber unfassbar.
Die Bewusstheit, die in uns wach geworden ist erkennt sich selbst, der Verstand und die Gefühle sind ausserhalb dieser tiefen Erkenntnis.
Es ist eine Gnade, diese tiefe und zugleich hohe Wirklichkeit erkennen zu können als Erweiterung und Bereicherung des eigenen Daseins für uns und die Welt.



Mit dieser Meditation versuchen wir die Ebene, hinter oder jenseits unserer alltäglichen Erfahrung des stets analysierenden Denkens und der sinnlichen Wahrnehmungen zu erfahren, das eigene Selbst. Die gewonnene Gelassenheit kann so in das Alltagsleben übernommen werden.

Die Zen-Meditation richtet sich auf das Innere, auf das Selbst.
Sie wird in der Regel sitzend (zazen) auf einem Kissen oder auf einem Meditations-Schemel ausgeführt, ist aber je nach körperlicher Verfassung auch auf einem normalen Stuhl möglich. Auf eine richtige Haltung wird grossen Wert gelegt, da diese das innere Gleichgewicht positiv beeinflusst.
Der Ursprung des Zen stammt aus dem Buddhismus - Zen, wird aber bei uns losgelöst davon praktiziert, die Konfession spielt keine Rolle.

Das Wort ,,Zen" kommt aus dem Sanskritbegriff "Dhyana", wurde dann in China und Japan zu Chana, Chan und schlussendlich wurde daraus Zen.

Für Anfänger empfiehlt sich eine individuelle Einführung, welche ich gratis anbiete. Pro weitere Meditationssitzung mit einer Dauer von von ca. 1 Stunde sind die Kosten pro TeilnehmerIn Fr. 10.-. Kissen und Meditationsstuhl sind vorhanden.

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